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Uptime und Verfügbarkeit: Was 99,9 % wirklich bedeutet

Lesezeit ca.: 12 Minuten

Bei Webhosting, Cloud-Diensten und anderen Online-Services begegnen dir häufig Angaben wie 99,9 % Verfügbarkeit, 99,95 % Uptime oder sogar 99,99 %.

Auf den ersten Blick wirken diese Werte fast identisch. Rechnerisch können jedoch bereits wenige Nachkommastellen einen erheblichen Unterschied bei der möglichen Ausfallzeit ausmachen.

Gleichzeitig sagt eine Prozentzahl allein noch nicht, wie sie gemessen wurde, welcher Zeitraum betrachtet wird und welche Ereignisse in die Berechnung einfließen.

In diesem Artikel erklären wir, was Uptime und Verfügbarkeit bedeuten, wie die Prozentwerte berechnet werden und warum gemessene Uptime, beworbene Verfügbarkeit und ein vertragliches Service Level Agreement nicht automatisch dasselbe sind.

Kurz erklärt: Eine Verfügbarkeit von 99,9 % bedeutet nicht, dass ein Dienst niemals ausfallen darf. Sie bedeutet rechnerisch, dass er innerhalb des betrachteten Zeitraums zu 99,9 % verfügbar und zu 0,1 % nicht verfügbar ist – vorausgesetzt, genau diese Definition wird für die Messung verwendet.

Was bedeutet Uptime? #

Mit Uptime wird allgemein die Zeit bezeichnet, während der ein System oder Dienst verfügbar beziehungsweise betriebsbereit ist.

Im Website-Monitoring wird daraus häufig ein prozentualer Wert berechnet.

Vereinfacht:

Verfügbare Zeit
─────────────── × 100
Gesamtzeit

Wenn eine Website während des gesamten betrachteten Zeitraums erreichbar war, ergibt sich:

100 % Uptime

Gab es innerhalb dieses Zeitraums Ausfälle, sinkt der gemessene Wert entsprechend.

Was bedeutet Downtime? #

Downtime bezeichnet entsprechend die Zeit, in der der überwachte Dienst nach der verwendeten Definition nicht verfügbar war.

Bei:

99,9 % Uptime

entfallen rechnerisch:

0,1 %

des betrachteten Zeitraums auf Downtime.

Entscheidend ist deshalb immer der Zeitraum, auf den sich der Prozentwert bezieht.

Was bedeuten 99,9 % Verfügbarkeit pro Monat? #

Nehmen wir zur einfachen Berechnung einen Monat mit 30 Tagen.

30 Tage
× 24 Stunden
= 720 Stunden

720 Stunden
× 60 Minuten
= 43.200 Minuten

Bei 99,9 % Verfügbarkeit entsprechen 0,1 % dieses Zeitraums:

43.200 Minuten
× 0,001
= 43,2 Minuten

Rein rechnerisch entsprechen 99,9 % Verfügbarkeit in einem 30-Tage-Zeitraum damit ungefähr 43 Minuten und 12 Sekunden Downtime.

Wichtig: Das ist eine mathematische Umrechnung und keine Aussage darüber, welche Ausfälle ein bestimmter Hosting-Vertrag tatsächlich erlaubt oder wie ein Anbieter seine Verfügbarkeit definiert.

Was bedeuten verschiedene Uptime-Werte? #

Die Unterschiede werden deutlicher, wenn wir mehrere Werte miteinander vergleichen.

VerfügbarkeitDowntime bei 30 TagenDowntime bei 365 Tagen
99 %7 Std. 12 Min.3 Tage 15 Std. 36 Min.
99,5 %3 Std. 36 Min.1 Tag 19 Std. 48 Min.
99,9 %43 Min. 12 Sek.8 Std. 45 Min. 36 Sek.
99,95 %21 Min. 36 Sek.4 Std. 22 Min. 48 Sek.
99,99 %4 Min. 19 Sek.52 Min. 34 Sek.
99,999 %ca. 26 Sek.ca. 5 Min. 15 Sek.

Gerade bei hohen Verfügbarkeitswerten macht eine zusätzliche Neun einen erheblichen Unterschied.

Zwischen 99,9 % und 99,99 % liegt optisch nur eine weitere Neun. Auf ein Jahr gerechnet sinkt die rechnerische Downtime jedoch von rund 8 Stunden und 46 Minuten auf weniger als eine Stunde.

Warum ist der betrachtete Zeitraum so wichtig? #

Eine Prozentangabe ist ohne Bezugszeitraum nur eingeschränkt aussagekräftig.

Beispielsweise können:

99,9 % pro Monat

und

99,9 % pro Jahr

zwar mathematisch denselben prozentualen Anteil beschreiben, die zulässige beziehungsweise gemessene absolute Ausfallzeit unterscheidet sich aber entsprechend der Länge des Zeitraums.

Auch die Bewertung einzelner längerer Ausfälle kann dadurch unterschiedlich ausfallen.

Ein Beispiel mit einem zweistündigen Ausfall #

Angenommen, eine Website fällt innerhalb eines 30-Tage-Zeitraums einmal für zwei Stunden aus.

Der Monat besitzt:

720 Stunden

Davon waren:

718 Stunden verfügbar

Die Verfügbarkeit beträgt damit:

718
─── × 100
720

= ca. 99,72 %

Ein einzelner zweistündiger Ausfall würde in diesem Beispiel also bereits dazu führen, dass für diesen 30-Tage-Zeitraum keine 99,9 % erreicht werden.

Mehrere kurze Ausfälle werden addiert #

Downtime muss nicht aus einem einzigen langen Ausfall bestehen.

Beispielsweise:

Ausfall 1:  5 Minuten
Ausfall 2: 12 Minuten
Ausfall 3:  8 Minuten
Ausfall 4: 10 Minuten

Gesamt:    35 Minuten

Für die Berechnung der Verfügbarkeit wird normalerweise die gesamte als Downtime gewertete Zeit innerhalb des betrachteten Zeitraums berücksichtigt.

99,9 % bedeutet nicht „maximal 43 Minuten am Stück“ #

Die häufig zitierte Zahl von ungefähr 43 Minuten pro 30 Tage wird gelegentlich falsch verstanden.

Sie bedeutet nicht:

Ein Ausfall darf höchstens 43 Minuten dauern.

Sie beschreibt lediglich die gesamte rechnerische Downtime, die einem Anteil von 0,1 % eines 30-Tage-Zeitraums entspricht.

Diese Zeit könnte theoretisch aus einem längeren oder vielen kurzen Ereignissen bestehen.

Uptime und Verfügbarkeit werden häufig synonym verwendet #

Im Webhosting- und Monitoring-Umfeld werden die Begriffe Uptime und Verfügbarkeit häufig nahezu synonym benutzt.

Technisch kann der Begriff Verfügbarkeit allerdings umfassender definiert werden.

Ein System kann beispielsweise laufen, aber für den Benutzer trotzdem nicht sinnvoll nutzbar sein.

Deshalb muss immer geklärt werden, was bei einer konkreten Messung überhaupt als verfügbar gilt.

Wann gilt eine Website als verfügbar? #

Das hängt vom Monitoring und der jeweiligen Definition ab.

Ein einfacher Monitor könnte beispielsweise folgende Regel verwenden:

HTTP 200
→ UP

Timeout
→ DOWN

HTTP 500
→ DOWN

Ein anderer Monitor könnte zusätzlich prüfen, ob ein bestimmter Inhalt auf der Seite vorhanden ist.

Damit können zwei Monitoring-Systeme dieselbe Website unterschiedlich bewerten.

Eine erreichbare Startseite bedeutet nicht, dass alles verfügbar ist #

Angenommen, ein Onlineshop zeigt folgende Situation:

Startseite
→ funktioniert

Produktseiten
→ funktionieren

Warenkorb
→ funktioniert

Checkout
→ Fehler

Ein Monitor, der ausschließlich die Startseite überprüft, könnte weiterhin:

UP

melden.

Für den Betreiber des Shops besteht trotzdem eine erhebliche funktionale Störung.

Merke: Ein Uptime-Wert beschreibt immer die Verfügbarkeit dessen, was tatsächlich überwacht wurde – nicht automatisch die Funktionsfähigkeit der gesamten Website.

Was misst ein Uptime-Monitor? #

Ein klassischer Website-Monitor ruft in regelmäßigen Abständen eine definierte URL auf und bewertet deren Antwort.

Beispielsweise:

08:00 → UP
08:05 → UP
08:10 → DOWN
08:15 → DOWN
08:20 → UP

Aus diesen Prüfungen kann das Monitoring anschließend Verfügbarkeitswerte berechnen.

Wie solche Systeme funktionieren und welche Prüfmethoden es gibt, erklären wir ausführlich unter Website-Monitoring: Erreichbarkeit und Ausfälle überwachen.

Das Prüfintervall beeinflusst die Messgenauigkeit #

Ein Monitoring-System sieht nicht automatisch jede einzelne Sekunde.

Wird beispielsweise nur alle fünf Minuten geprüft, kann ein Ausfall zwischen zwei Prüfungen beginnen oder enden.

Beispiel:

10:00 Prüfung → UP

10:01 tatsächlicher Ausfall beginnt

10:05 Prüfung → DOWN

10:07 Website wieder erreichbar

10:10 Prüfung → UP

Der tatsächliche Ausfall dauerte in diesem Beispiel ungefähr sechs Minuten.

Aus den reinen Fünf-Minuten-Prüfpunkten lässt sich der Beginn und das Ende jedoch nicht sekundengenau bestimmen.

Warum verschiedene Monitoring-Dienste unterschiedliche Werte anzeigen können #

Mehrere Systeme können dieselbe Website überwachen und trotzdem leicht unterschiedliche Uptime-Werte ermitteln.

Ursachen dafür können beispielsweise sein:

unterschiedliche Prüfintervalle

verschiedene Monitoring-Standorte

andere Timeout-Grenzen

unterschiedliche Erfolgskriterien

unterschiedlicher Umgang
mit Weiterleitungen

Bestätigungsprüfungen

regionale Netzwerkprobleme

unterschiedliche Messzeiträume

Eine Abweichung bedeutet deshalb nicht automatisch, dass eines der Systeme falsch misst.

Monitoring-Standort und Netzwerkweg spielen eine Rolle #

Ein Monitor greift aus einem bestimmten Netzwerk auf die Website zu.

Wenn zwischen diesem Monitoring-Standort und dem Server eine Netzwerkstörung auftritt, kann der Monitor einen Fehler registrieren, obwohl Besucher aus anderen Regionen die Website weiterhin erreichen.

Aus diesem Grund können Kontrollprüfungen aus mehreren Standorten die Aussagekraft eines Monitorings verbessern.

Was ist ein SLA? #

SLA steht für Service Level Agreement.

Ein SLA ist eine vertragliche Vereinbarung über definierte Leistungsmerkmale eines Dienstes.

Eine darin vereinbarte Verfügbarkeit könnte beispielsweise lauten:

99,9 %

Entscheidend ist jedoch nicht nur diese Zahl.

Ein SLA sollte auch definieren, wie die Verfügbarkeit berechnet wird und welche Bedingungen gelten.

99,9 % SLA ist nicht automatisch dasselbe wie 99,9 % gemessene Uptime #

Dieser Unterschied ist besonders wichtig.

Ein Monitoring-System könnte für einen Monat beispielsweise:

99,87 % Uptime

anzeigen.

Ob damit gleichzeitig ein vertragliches SLA verletzt wurde, lässt sich aus dieser Zahl allein nicht beantworten.

Das SLA kann eigene Regeln dafür enthalten, welche Ereignisse bei der Berechnung berücksichtigt oder ausgeschlossen werden.

Was kann ein SLA zusätzlich regeln? #

Je nach Anbieter und Vertrag können beispielsweise folgende Punkte definiert sein:

Messzeitraum

Messmethode

betroffene Dienste

geplante Wartungsarbeiten

angekündigte Wartungsfenster

höhere Gewalt

kundenseitig verursachte Störungen

DDoS- oder externe Ereignisse

Messpunkt des Anbieters

Reaktions- und Meldefristen

Service-Gutschriften

Welche Regeln tatsächlich gelten, ergibt sich ausschließlich aus dem jeweiligen Vertrag beziehungsweise SLA.

Wichtig: Berechne einen möglichen SLA-Anspruch niemals ausschließlich anhand eines öffentlichen Uptime-Monitors. Maßgeblich sind die konkreten vertraglichen Bedingungen.

Geplante Wartung und Verfügbarkeit #

Geplante Wartungsarbeiten sind ein gutes Beispiel dafür, warum ein Monitoring-Wert und eine vertraglich berechnete Verfügbarkeit voneinander abweichen können.

Ein externer Monitor registriert möglicherweise:

Website 20 Minuten nicht erreichbar

und zählt diese Zeit als Downtime.

Ein SLA kann angekündigte Wartungsfenster dagegen unter bestimmten Voraussetzungen von seiner Verfügbarkeitsberechnung ausnehmen.

Beide Werte können damit korrekt sein – sie beantworten lediglich unterschiedliche Fragen.

Beworbene Verfügbarkeit und SLA unterscheiden #

Auch Marketingaussagen und vertragliche Garantien sollten nicht automatisch gleichgesetzt werden.

Eine Website kann beispielsweise mit einer hohen Verfügbarkeit werben.

Ob daraus eine verbindliche Garantie, ein SLA oder ein Anspruch auf eine bestimmte Entschädigung entsteht, hängt von den konkreten Vertragsbedingungen ab.

Die Prozentzahl allein beantwortet diese Fragen nicht.

Was bedeutet „99,9 % Uptime-Garantie“? #

Wenn ein Anbieter diesen Begriff verwendet, solltest du prüfen, wie die Garantie tatsächlich definiert ist.

Relevant sind beispielsweise:

Welche Dienste sind umfasst?

Welcher Zeitraum gilt?

Wie wird gemessen?

Welche Ausfälle zählen?

Welche Ausnahmen gelten?

Was passiert bei Unterschreitung?

Muss der Kunde einen Anspruch melden?

Erst diese Bedingungen machen aus der Prozentzahl eine konkret bewertbare Zusage.

100 % Verfügbarkeit ist ein besonderer Anspruch #

Eine mathematisch gemessene Verfügbarkeit von 100 % innerhalb eines bestimmten Zeitraums ist selbstverständlich möglich, wenn kein Ausfall registriert wurde.

Eine dauerhafte Zusage von 100 % Verfügbarkeit ist dagegen wesentlich weitreichender.

Reale IT-Systeme bestehen aus zahlreichen Komponenten und Abhängigkeiten:

Netzwerk

Stromversorgung

Hardware

Betriebssystem

Webserver

Datenbank

DNS

Anwendung

externe Dienste

Redundanz kann die Verfügbarkeit stark erhöhen, aber technische Risiken nicht mathematisch vollständig beseitigen.

Hohe Verfügbarkeit benötigt mehr als einen guten Server #

Die Erreichbarkeit einer Website hängt nicht ausschließlich von der Hardware des Webservers ab.

Ein vereinfachter Zugriff kann mehrere Komponenten umfassen:

Besucher
   ↓
DNS
   ↓
Netzwerk
   ↓
Firewall / Proxy / CDN
   ↓
Webserver
   ↓
PHP / Anwendung
   ↓
Datenbank
   ↓
externe Dienste

Ein Fehler an unterschiedlichen Stellen dieser Kette kann dazu führen, dass die Website für den Benutzer nicht wie erwartet funktioniert.

Redundanz verbessert die Verfügbarkeit #

Bei hochverfügbaren Systemen werden kritische Komponenten häufig redundant ausgelegt.

Das kann beispielsweise betreffen:

Stromversorgung

Netzwerkverbindungen

Server

Storage

Load Balancer

Datenbanken

DNS-Infrastruktur

Fällt eine Komponente aus, kann eine andere ihre Aufgabe übernehmen.

Redundanz reduziert damit sogenannte Single Points of Failure.

Redundanz allein garantiert keine Hochverfügbarkeit #

Zwei Systeme sind nicht automatisch hochverfügbar, nur weil sie doppelt vorhanden sind.

Wenn beide beispielsweise von derselben fehlerhaften Konfiguration, demselben Netzwerk oder derselben Anwendung abhängig sind, kann ein gemeinsamer Fehler weiterhin beide Systeme betreffen.

Für echte Hochverfügbarkeit müssen deshalb Abhängigkeiten und Ausfallszenarien als Gesamtsystem betrachtet werden.

Was ist ein Single Point of Failure? #

Ein Single Point of Failure ist eine einzelne Komponente, deren Ausfall das gesamte betrachtete System beeinträchtigen kann.

Vereinfacht:

Website
   ↓
ein Server
   ↓
Server fällt aus
   ↓
Website fällt aus

Redundante Architekturen versuchen, solche einzelnen kritischen Abhängigkeiten zu reduzieren.

Uptime sagt nichts über die Geschwindigkeit einer Website aus #

Eine Website kann:

99,99 % erreichbar

und trotzdem:

sehr langsam

sein.

Verfügbarkeit und Performance sind unterschiedliche Qualitätsmerkmale.

Wenn du die Geschwindigkeit einer Website untersuchen möchtest, findest du unter Website-Ladezeit messen und richtig beurteilen die passende Anleitung.

Auch Core Web Vitals sind keine Uptime-Messung #

Die Core Web Vitals bewerten Aspekte der Nutzererfahrung wie Ladeverhalten, Interaktionsreaktion und visuelle Stabilität.

Sie beantworten nicht die Frage, wie viele Minuten eine Website innerhalb eines Monats erreichbar war.

Mehr dazu findest du unter Core Web Vitals erklärt: LCP, INP und CLS.

PageSpeed 100 bedeutet nicht 100 % Uptime #

Auch ein sehr gutes Ergebnis bei Google PageSpeed Insights sagt nichts darüber aus, ob die Website rund um die Uhr erreichbar ist.

Umgekehrt garantiert eine hohe Uptime keine guten PageSpeed-Werte.

Die Werkzeuge betrachten unterschiedliche Aspekte:

Website-Monitoring
→ Verfügbarkeit

PageSpeed Insights
→ Performance und Nutzererfahrung

Search Console
→ Suchmaschinen- und Indexierungsdaten

Uptime und Fehlerfreiheit sind ebenfalls nicht dasselbe #

Eine Website kann erreichbar sein und trotzdem Fehler besitzen.

Beispielsweise:

Startseite erreichbar

Kontaktformular defekt

Suchfunktion defekt

einzelne Bilder fehlen

Checkout defekt

Ein einfacher Uptime-Monitor erkennt solche funktionalen Probleme möglicherweise nicht.

Wie aussagekräftig ist ein Monatswert? #

Ein Monatswert ist nützlich, zeigt aber nur einen begrenzten Zeitraum.

Beispielsweise:

Januar  100,00 %
Februar 100,00 %
März     99,10 %
April   100,00 %

Ein einzelner Monatswert kann einen außergewöhnlichen Vorfall deutlich sichtbar machen.

Eine längerfristige Betrachtung hilft zusätzlich dabei, die Stabilität eines Dienstes über mehrere Monate zu beurteilen.

Jahres-Uptime nicht aus Monatswerten einfach mitteln #

Bei unterschiedlich langen Messzeiträumen solltest du Prozentwerte nicht unkritisch arithmetisch mitteln.

Sauberer ist es, die gesamte verfügbare Zeit und die gesamte betrachtete Zeit zusammenzurechnen.

Vereinfacht:

gesamte verfügbare Zeit
─────────────────────── × 100
gesamte betrachtete Zeit

Damit werden unterschiedlich lange Zeiträume korrekt gewichtet.

Ein konkretes Beispiel #

Angenommen, eine Website wird über 30 Tage überwacht und es treten drei bestätigte Ausfälle auf:

Ausfall 1:  7 Minuten
Ausfall 2: 11 Minuten
Ausfall 3:  4 Minuten

Gesamte Downtime:
22 Minuten

Der Zeitraum umfasst:

43.200 Minuten

Die verfügbare Zeit beträgt:

43.178 Minuten

Damit ergibt sich:

43.178
────── × 100
43.200

≈ 99,949 %

Gerundet könnte das Monitoring damit beispielsweise 99,95 % anzeigen.

Rundung kann Unterschiede erzeugen #

Bei hohen Verfügbarkeitswerten kann die Rundung relevant sein.

Ein intern berechneter Wert von beispielsweise:

99,9491 %

kann bei einer Darstellung mit zwei Nachkommastellen als:

99,95 %

erscheinen.

Bei SLA-Grenzwerten sollte deshalb klar sein, mit welcher Genauigkeit gerechnet und wann gerundet wird.

Warum ein einzelner Screenshot nicht für eine SLA-Bewertung reicht #

Ein Screenshot eines Monitoring-Dashboards kann einen wichtigen Hinweis liefern, ist aber nicht automatisch eine vollständige vertragliche Auswertung.

Für eine belastbare Bewertung können zusätzlich relevant sein:

vollständiger Messzeitraum

Monitor-Konfiguration

Prüfintervall

Ausfallhistorie

Bestätigungsprüfungen

Wartungsfenster

vertragliche Ausschlüsse

SLA-Berechnungsmethode

Die Messdaten und die vertragliche Bewertung sollten deshalb getrennt betrachtet werden.

Was solltest du bei einer Verfügbarkeitsangabe prüfen? #

Wenn du eine Uptime- oder Verfügbarkeitsangabe beurteilen möchtest, helfen einige konkrete Fragen:

Welcher Zeitraum wird betrachtet?

Was wird überwacht?

Von wo wird gemessen?

Wie häufig wird geprüft?

Wann gilt ein Check als DOWN?

Werden Fehler bestätigt?

Zählen Wartungsarbeiten mit?

Handelt es sich um Messwert,
Zielwert oder SLA?

Welche Ausnahmen gelten?

Damit erhält die reine Prozentzahl den notwendigen Kontext.

Uptime-Monitoring sinnvoll einsetzen #

Für den praktischen Betrieb einer Website ist ein kontinuierliches Monitoring vor allem deshalb wertvoll, weil Störungen schnell erkannt und zeitlich dokumentiert werden können.

Ein sinnvoller Ablauf sieht beispielsweise so aus:

Website wird überwacht
        ↓
Prüfung schlägt fehl
        ↓
Fehler wird bestätigt
        ↓
Alarm wird ausgelöst
        ↓
Störung wird untersucht
        ↓
Website wieder erreichbar
        ↓
Monitoring bestätigt UP
        ↓
Ausfalldauer dokumentieren

Die technische Einrichtung und Interpretation solcher Prüfungen erklären wir unter Website-Monitoring: Erreichbarkeit und Ausfälle überwachen.

Uptime bei sporadischen Problemen #

Eine hohe monatliche Uptime kann einzelne störende Probleme verdecken.

Angenommen, eine Website fällt fast jeden Tag für wenige Sekunden oder Minuten aus.

Der monatliche Prozentwert kann trotzdem relativ hoch erscheinen, während die wiederkehrenden Unterbrechungen für Besucher oder Betreiber störend sind.

Deshalb solltest du neben dem Gesamtwert auch die einzelnen Incidents betrachten.

Ein langer Ausfall und viele kurze Ausfälle sind nicht dasselbe #

Mathematisch können beide Situationen dieselbe Downtime erzeugen:

1 × 30 Minuten

oder

30 × 1 Minute

Für den Geschäftsbetrieb können die Auswirkungen jedoch unterschiedlich sein.

Viele kurze Unterbrechungen können beispielsweise auf ein wiederkehrendes technisches Problem hinweisen, während ein einzelner längerer Ausfall eine einmalige Störung gewesen sein kann.

Uptime im Zusammenhang mit Geschäftsrisiken betrachten #

Wie kritisch ein Ausfall ist, hängt stark von der Website ab.

Bei einer einfachen Informationsseite können zehn Minuten Nichterreichbarkeit vergleichsweise geringe Auswirkungen haben.

Bei einem stark frequentierten Onlineshop während einer wichtigen Verkaufsaktion können dieselben zehn Minuten erhebliche Folgen besitzen.

Eine technisch identische Uptime kann deshalb für unterschiedliche Unternehmen eine völlig andere geschäftliche Bedeutung haben.

Verfügbarkeit ist nur eine Kennzahl #

Die Qualität eines Hosting- oder Websystems lässt sich nicht sinnvoll anhand einer einzigen Prozentzahl beurteilen.

Weitere Faktoren sind beispielsweise:

Performance

Stabilität

Sicherheit

Backup-Konzept

Wiederherstellbarkeit

Support

Monitoring

Wartung

Redundanz

Fehlerbehebung

Eine hohe Uptime ist wichtig, ersetzt diese Faktoren aber nicht.

Häufige Missverständnisse bei Uptime-Angaben #

99,9 % bedeutet keinen Ausfall

99,9 % bedeutet maximal
43 Minuten pro Ausfall

100 % im letzten Monat bedeutet
100 % für immer

Uptime bedeutet schnelle Website

UP bedeutet alle Funktionen
arbeiten fehlerfrei

externer Monitor und SLA
müssen denselben Wert zeigen

jede Wartung zählt zwingend
als SLA-Downtime

jede Monitoring-Störung ist
ein Serverausfall

99,99 % ist fast dasselbe
wie 99,9 %

ein hoher Uptime-Wert allein
beweist hochwertiges Hosting

Checkliste: Uptime richtig beurteilen #

Prozentwert ansehen
        ↓
Zeitraum bestimmen
        ↓
absolute Downtime berechnen
        ↓
Messmethode prüfen
        ↓
überwachten Endpunkt prüfen
        ↓
Prüfintervall berücksichtigen
        ↓
einzelne Incidents ansehen
        ↓
Monitoring-Standorte prüfen
        ↓
Messwert oder SLA?
        ↓
SLA-Bedingungen lesen
        ↓
Wartungsfenster und
Ausnahmen berücksichtigen
        ↓
geschäftliche Auswirkungen
bewerten

Zusammenfassung #

Uptime beziehungsweise Verfügbarkeit beschreibt, welcher Anteil eines betrachteten Zeitraums ein System nach einer bestimmten Definition verfügbar war.

99,9 % Verfügbarkeit bedeutet rechnerisch 0,1 % Downtime. Bei einem Zeitraum von 30 Tagen entspricht das ungefähr 43 Minuten und 12 Sekunden. Auf ein Jahr mit 365 Tagen gerechnet entsprechen 99,9 % ungefähr 8 Stunden und 46 Minuten Downtime.

Eine Prozentangabe ist jedoch nur dann wirklich aussagekräftig, wenn auch Messzeitraum und Messmethode bekannt sind. Prüfintervall, Monitoring-Standort, Timeout, Erfolgskriterien und der tatsächlich überwachte Endpunkt beeinflussen das Ergebnis.

Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer technisch gemessenen Uptime und einem vertraglichen SLA. Ein SLA kann eigene Messverfahren, Ausnahmen, Wartungsfenster und weitere Bedingungen definieren. Ein öffentlicher Monitoring-Wert lässt sich deshalb nicht automatisch als Nachweis für die Erfüllung oder Verletzung eines SLA verwenden.

Auch Performance und Verfügbarkeit sind getrennte Themen. Eine Website kann sehr schnell sein und trotzdem ausfallen – oder nahezu ständig erreichbar und gleichzeitig langsam sein.

Eine Uptime-Zahl ist deshalb erst mit ihrem Kontext wirklich aussagekräftig: Was wurde gemessen, über welchen Zeitraum, nach welchen Kriterien – und welche Verfügbarkeit benötigt die Website für ihren tatsächlichen Einsatzzweck?

Letzte Aktualisierung August 30, 2026
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