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Steuern und Mehrwertsteuer in WooCommerce richtig einrichten

Lesezeit ca.: 13 Minuten

WooCommerce kann Steuern und Mehrwertsteuer automatisch anhand der von dir hinterlegten Regeln berechnen. Dazu gehören beispielsweise unterschiedliche Steuersätze, verschiedene Länder oder Regionen sowie unterschiedliche Steuerklassen für Produkte.

Bevor du diese Einstellungen verwendest, musst du allerdings wissen, welche steuerlichen Regeln für dein Unternehmen tatsächlich gelten.

Wichtig: WooCommerce stellt dir die technische Steuerberechnung zur Verfügung. Das System entscheidet nicht, ob du Mehrwertsteuer erheben musst, welcher Steuersatz für dein Unternehmen gilt oder in welchem Land eine Steuerpflicht besteht. Solche Fragen solltest du mit deiner Buchhaltung, Treuhandstelle oder einer qualifizierten Steuerfachperson klären.

In diesem Artikel erklären wir deshalb ausschliesslich, wie die Steuerfunktionen von WooCommerce technisch funktionieren und eingerichtet werden.

Steuerberechnung in WooCommerce aktivieren #

Die Steuerfunktionen sind nicht automatisch sichtbar. Zuerst musst du die Steuerberechnung aktivieren.

Öffne im WordPress-Backend:

WooCommerce
→ Einstellungen
→ Allgemein

Im Bereich für Steuern und Gutscheine aktivierst du:

Steuersätze und -berechnungen aktivieren

Speichere anschliessend die Einstellungen.

Danach erscheint unter WooCommerce → Einstellungen der zusätzliche Bereich Steuer.

Wenn du den Reiter „Steuer“ nicht siehst: Prüfe zuerst, ob die Steuerberechnung unter „WooCommerce → Einstellungen → Allgemein“ aktiviert wurde.

Wo befinden sich die Steuer-Einstellungen? #

Nach der Aktivierung findest du die Steuerkonfiguration unter:

WooCommerce
→ Einstellungen
→ Steuer

Hier findest du einerseits die allgemeinen Steueroptionen und andererseits die Tabellen mit deinen hinterlegten Steuersätzen.

WooCommerce Core kann solche Steuersätze manuell anhand deiner Regeln berechnen. Eine automatische Ermittlung deiner steuerlichen Pflichten oder eine automatische Steueranmeldung gehört dagegen nicht zu diesen Core-Funktionen.

Preise inklusive oder exklusive Steuer eingeben #

Eine der wichtigsten Einstellungen lautet sinngemäss:

Preise mit Steuern eingegeben

Hier entscheidest du, ob die Produktpreise, die du im WooCommerce-Backend eingibst, die Steuer bereits enthalten oder ob WooCommerce die Steuer noch dazurechnen soll.

WooCommerce bietet dafür zwei grundsätzliche Varianten.

EinstellungBedeutung
Preise inklusive Steuer eingebenDer im Produkt hinterlegte Preis enthält bereits die Steuer des Basisstandorts des Shops.
Preise exklusive Steuer eingebenDer hinterlegte Produktpreis ist ein Nettopreis. WooCommerce berechnet die Steuer zusätzlich.

Diese Entscheidung sollte vor dem Anlegen beziehungsweise Importieren vieler Produkte bewusst getroffen werden.

Beispiel: Preis inklusive Steuer #

Angenommen, ein Produkt soll inklusive der für deinen Basisstandort hinterlegten Steuer CHF 108.10 kosten.

Wenn du WooCommerce so konfiguriert hast, dass Preise inklusive Steuer eingegeben werden, trägst du beim Produkt:

108.10

ein.

WooCommerce betrachtet diesen Wert als Bruttopreis auf Basis der Steuerkonfiguration deines Shops.

Beispiel: Preis exklusive Steuer #

Wenn du deine Produktpreise stattdessen exklusive Steuer eingibst, hinterlegst du den Nettopreis.

Ein einfaches Rechenbeispiel:

Nettopreis:
CHF 100.00

Steuersatz:
8.1 %

Steuer:
CHF 8.10

Bruttopreis:
CHF 108.10

WooCommerce berechnet die Steuer anhand deiner hinterlegten Regeln zusätzlich.

Wichtig: Verwende diese Zahlen nur als technisches Rechenbeispiel. Welcher Steuersatz für dein Produkt und dein Unternehmen tatsächlich gilt, muss ausserhalb von WooCommerce geklärt werden.

Warum die Einstellung nicht einfach später geändert werden sollte #

Die Einstellung „inklusive Steuer“ oder „exklusive Steuer“ bestimmt, wie WooCommerce deine bereits eingegebenen Produktpreise interpretiert.

Wenn du beispielsweise hundert Produkte mit Preisen angelegt hast und diese Einstellung danach ohne entsprechende Preisanpassung änderst, interpretiert WooCommerce dieselben Zahlen anders.

Das kann zu unerwarteten Verkaufspreisen führen.

Merke: Die Einstellung bestimmt nicht nur, wie Preise angezeigt werden. Sie bestimmt, ob der im Produkt gespeicherte Preis als Netto- oder als Bruttopreis verstanden wird.

Auf welcher Adresse soll WooCommerce die Steuer berechnen? #

Unter den Steueroptionen findest du die Einstellung:

Steuer berechnen basierend auf

WooCommerce kann dafür grundsätzlich unterschiedliche Adressen verwenden.

OptionBedeutung
Lieferadresse des KundenWooCommerce verwendet die Lieferadresse des Kunden zur Auswahl des passenden Steuersatzes.
Rechnungsadresse des KundenWooCommerce verwendet die Rechnungsadresse des Kunden.
Basisadresse des ShopsWooCommerce berechnet die Steuer anhand des hinterlegten Shop-Standorts.

Welche dieser Varianten für dein Geschäft richtig ist, ist keine rein technische Entscheidung.

WooCommerce setzt lediglich die Option um, die du auswählst.

Deshalb: Ändere die Berechnungsbasis nicht aufgrund einer allgemeinen Empfehlung aus dem Internet. Welche Adresse für die Steuerberechnung relevant ist, hängt von deinem Geschäftsmodell und den für dich geltenden steuerlichen Vorschriften ab.

Die Shop-Adresse muss korrekt eingetragen sein #

Die Basisadresse deines Shops findest du unter:

WooCommerce
→ Einstellungen
→ Allgemein

Dort hinterlegst du den Standort deines Unternehmens.

Diese Adresse ist für verschiedene WooCommerce-Funktionen relevant und kann auch bei der Steuerberechnung verwendet werden.

Prüfe deshalb insbesondere:

  • Land beziehungsweise Region
  • Adresse
  • Postleitzahl
  • Ort

Eine falsche Basisadresse kann dazu führen, dass WooCommerce Regeln anders anwendet als erwartet.

Versandsteuerklasse festlegen #

WooCommerce kann auch Steuern auf Versandkosten berechnen.

Unter den Steueroptionen findest du die Einstellung für die Versandsteuerklasse.

WooCommerce kann die Steuerklasse für den Versand beispielsweise anhand der Produkte im Warenkorb bestimmen oder eine bestimmte Steuerklasse verwenden.

Welche Variante du verwenden solltest, hängt wiederum davon ab, wie deine Versandkosten steuerlich behandelt werden müssen.

Die eigentlichen Versandzonen und Versandkosten erklären wir im Artikel Versandzonen, Versandarten und Versandkosten einrichten.

Was sind Steuerklassen? #

Steuerklassen ermöglichen es, unterschiedliche Produkte mit unterschiedlichen Steuerregeln zu behandeln.

WooCommerce enthält standardmässig entsprechende Steuerklassen und ermöglicht das Anlegen zusätzlicher Klassen.

Typischerweise findest du beispielsweise:

  • Standard
  • Reduzierter Satz
  • Steuerfrei beziehungsweise Nullsatz

Die genaue Bezeichnung kann von Sprache, WooCommerce-Version und Konfiguration abhängen.

Zusätzliche Steuerklassen kannst du bei Bedarf selbst anlegen.

Steuerklasse einem Produkt zuweisen #

Bei einem steuerpflichtigen Produkt kannst du im Produkteditor festlegen, welche Steuerklasse WooCommerce verwenden soll.

Dazu findest du im Produktbereich die Einstellungen zum Steuerstatus und zur Steuerklasse.

Vereinfacht:

Produkt A
→ Steuerklasse Standard

Produkt B
→ Steuerklasse Reduziert

WooCommerce verwendet danach den Steuersatz, den du für die entsprechende Klasse und die relevante Kundenregion hinterlegt hast.

Wichtig: Die Bezeichnung „Reduzierter Satz“ legt noch keinen korrekten Steuersatz fest. Du musst die zugehörigen Steuersätze selbst hinterlegen.

Steuerstatus eines Produkts #

Neben der Steuerklasse besitzt ein Produkt auch einen Steuerstatus.

Damit bestimmst du technisch, ob WooCommerce Steuer auf:

  • Produkt und Versand,
  • nur den Versand
  • oder gar nicht

anwenden soll.

Auch hier gilt: WooCommerce stellt die Auswahl bereit. Ob ein konkretes Produkt steuerpflichtig ist und wie es behandelt werden muss, entscheidet nicht WooCommerce.

Einen Steuersatz manuell anlegen #

Die Steuersätze findest du innerhalb der jeweiligen Steuerklasse.

Öffne beispielsweise:

WooCommerce
→ Einstellungen
→ Steuer
→ Standardsätze

Dort kannst du neue Zeilen hinzufügen und festlegen, wo ein bestimmter Steuersatz angewendet werden soll.

Eine Steuerregel enthält mehrere Felder.

FeldBedeutung
LändercodeBestimmt, für welches Land die Regel gilt.
Bundesland/Kanton/RegionKann die Regel auf eine bestimmte Region innerhalb eines Landes begrenzen.
PostleitzahlKann die Anwendung auf bestimmte Postleitzahlen beschränken.
OrtKann die Regel auf bestimmte Orte beschränken.
SteuersatzDer anzuwendende Prozentsatz.
SteuernameBezeichnung, die WooCommerce für den Steuersatz verwenden kann.
PrioritätSteuert die Reihenfolge beziehungsweise Kombination passender Steuersätze.
ZusammengesetztErmöglicht eine Steuerberechnung auf Basis anderer bereits berechneter Steuern.
VersandLegt fest, ob dieser Steuersatz auch auf Versand angewendet werden kann.

Ländercode richtig eintragen #

WooCommerce verwendet für Länder einen zweistelligen Ländercode.

Beispielsweise:

CH

für die Schweiz.

Du kannst ausserdem einen Platzhalter verwenden, wenn eine Regel unabhängig von einem bestimmten Land gelten soll.

Solche Platzhalter solltest du allerdings nur verwenden, wenn du genau verstehst, welchen Bereich die Regel dadurch abdeckt.

Regionen, Postleitzahlen und Orte einschränken #

Nicht jede Steuerregel muss für ein komplettes Land gelten.

WooCommerce kann Steuersätze auch anhand zusätzlicher geografischer Angaben unterscheiden.

Dazu gehören je nach Land und Konfiguration beispielsweise:

Land
+
Region
+
Postleitzahl
+
Ort

Dadurch lassen sich auch komplexere regionale Steuerregeln technisch abbilden.

Für einen normalen Schweizer Shop wirst du diese Feinsteuerung möglicherweise nicht benötigen. In anderen Ländern oder Geschäftsmodellen kann sie jedoch relevant sein.

Steuersatz eingeben #

Im Feld für den Steuersatz gibst du den Prozentwert ein.

Ein technisches Beispiel:

8.1

entspricht 8.1 Prozent.

WooCommerce erwartet hier den Prozentwert und nicht die Zahl:

0.081

Nochmals wichtig: Die hier verwendeten Zahlen dienen der Erklärung der WooCommerce-Eingabe. Welcher Satz für deine Produkte tatsächlich gilt, musst du anhand der aktuellen steuerlichen Vorschriften prüfen.

Steuername festlegen #

Du kannst einer Steuerregel einen Namen geben.

Dieser kann später beispielsweise im Warenkorb oder Checkout erscheinen, wenn du Steuern einzeln anzeigen lässt.

Verwende eine Bezeichnung, die für deinen Shop und deine Kunden verständlich ist.

Was bedeutet Priorität? #

Die Priorität wird relevant, wenn für dieselbe Adresse mehrere Steuersätze passen.

WooCommerce verwendet sie, um festzulegen, welche Regeln zusammen beziehungsweise in welcher Reihenfolge berücksichtigt werden.

Für einfache Steuerkonfigurationen solltest du diese Einstellung nicht unnötig verändern.

Wenn du mehrere kombinierte Steuerregeln benötigst, solltest du zuerst genau prüfen, wie diese zusammenspielen sollen.

Was bedeutet „Zusammengesetzt“? #

Eine zusammengesetzte Steuer – in WooCommerce häufig als Compound Tax bezeichnet – wird auf einen Betrag berechnet, der bereits andere Steuern enthalten kann.

Das ist eine spezielle Steuerlogik, die nicht für normale einfache Steuerkonfigurationen benötigt wird.

Aktiviere diese Funktion deshalb nur, wenn dein konkretes Steuersystem tatsächlich eine solche Berechnung verlangt.

Mehrere Steuersätze hinterlegen #

Du kannst innerhalb einer Steuerklasse mehrere Regeln erstellen.

Beispielsweise:

Land A
→ Steuersatz A

Land B
→ Steuersatz B

Land C
→ Steuersatz C

WooCommerce sucht beim Checkout nach der Regel, die zur für die Steuerberechnung verwendeten Kundenadresse passt.

Damit lassen sich unterschiedliche Steuerregeln für unterschiedliche Regionen technisch abbilden.

Steuersätze importieren und exportieren #

WooCommerce kann Steuerregeln auch als CSV-Datei importieren beziehungsweise exportieren.

Das ist insbesondere dann hilfreich, wenn du viele Steuersätze verwalten musst.

Bei wenigen Regeln ist die manuelle Pflege häufig übersichtlicher.

Vorsicht bei Steuerlisten aus dem Internet: Importiere nicht einfach eine fremde CSV-Datei, ohne ihre Inhalte zu prüfen. WooCommerce kann die eingetragenen Werte berechnen, aber nicht beurteilen, ob sie für dein Unternehmen aktuell und rechtlich richtig sind.

Preise im Shop inklusive oder exklusive Steuer anzeigen #

Die Art, wie du Produktpreise im Backend eingibst, und die Art, wie du sie deinen Kunden anzeigst, sind zwei verschiedene Einstellungen.

Unter den Steueroptionen kannst du festlegen, ob Preise im Shop:

inklusive Steuer
oder
exklusive Steuer

angezeigt werden.

Diese Einstellung betrifft beispielsweise Produktseiten und Shop-Übersichten.

Preise im Warenkorb und Checkout anzeigen #

WooCommerce besitzt zusätzlich eine separate Einstellung für die Darstellung im Warenkorb und Checkout.

Auch dort kannst du auswählen, ob die Preise inklusive oder exklusive Steuer dargestellt werden sollen.

Dadurch kannst du beispielsweise unterschiedliche Darstellungsmodelle umsetzen.

Welche Darstellung für dein Geschäft zulässig beziehungsweise erforderlich ist, hängt jedoch wiederum von deinem Markt und den geltenden Preisangabe-Vorschriften ab.

Steuersummen einzeln oder als Gesamtsumme anzeigen #

WooCommerce kann die Steuer im Warenkorb und Checkout unterschiedlich darstellen.

Du kannst beispielsweise wählen, ob:

  • eine gesamte Steuersumme angezeigt wird
  • oder unterschiedliche Steuersätze einzeln aufgelistet werden

Bei mehreren Steuerarten kann eine aufgeschlüsselte Darstellung leichter nachvollziehbar sein.

Preis-Suffix verwenden #

WooCommerce bietet eine Einstellung für einen zusätzlichen Text hinter dem Produktpreis.

Damit lässt sich beispielsweise ein Hinweis ergänzen.

WooCommerce unterstützt dafür auch Platzhalter für Preise inklusive beziehungsweise exklusive Steuer.

Ob und welchen Hinweis du dort anzeigen musst, ist keine technische WooCommerce-Frage, sondern hängt von deinen gesetzlichen Anforderungen und deiner gewünschten Darstellung ab.

Rundung von Steuern #

WooCommerce besitzt eine Option, Steuern auf Ebene der Zwischensumme zu runden, statt jede einzelne Produktzeile separat zu runden.

Bei mehreren Produkten und Steuerbeträgen können dadurch kleine Rundungsunterschiede entstehen.

Wenn deine Buchhaltung oder dein Zahlungsanbieter beispielsweise um wenige Rappen beziehungsweise Cent von einer manuellen Rechnung abweicht, kann deshalb auch die Rundungsmethode eine Rolle spielen.

Diese Einstellung solltest du nur bewusst ändern und danach mit Testbestellungen kontrollieren.

Warum können Preise bei unterschiedlichen Ländern variieren? #

Wenn du Produktpreise inklusive Steuer eingibst und für verschiedene Kundenstandorte unterschiedliche Steuersätze verwendest, kann sich der sichtbare Preis abhängig vom Kundenstandort verändern.

WooCommerce muss in diesem Fall den im Basisland eingegebenen Bruttopreis auf die jeweils anzuwendende Steuer umrechnen.

Das ist insbesondere bei internationalen Shops wichtig.

Ein unerwartet anderer Bruttopreis muss deshalb nicht automatisch ein Berechnungsfehler sein.

Standard-Kundenstandort beeinflusst die Anzeige #

Unter:

WooCommerce
→ Einstellungen
→ Allgemein

kannst du festlegen, welchen Standort WooCommerce für einen Besucher verwendet, solange dessen tatsächliche Adresse noch nicht bekannt ist.

Diese Einstellung kann beeinflussen, welcher Preis beziehungsweise welche Steuer einem Besucher zunächst angezeigt wird.

Sobald im Checkout eine relevante Kundenadresse vorliegt, kann WooCommerce die Berechnung entsprechend aktualisieren.

Steuern und Gastbestellungen #

Auch bei einer Gastbestellung kann WooCommerce die Steuer anhand der im Checkout eingegebenen Kundenadresse bestimmen.

Dafür ist kein dauerhaftes Kundenkonto erforderlich.

Mehr zum Unterschied zwischen Kundenkonten und Gastbestellungen findest du im Artikel Kundenkonten und Gastbestellungen in WooCommerce einrichten.

Steuern und Gutscheine #

Wenn ein Kunde einen Gutschein verwendet, reduziert WooCommerce zunächst die dafür berechtigten Produktbeträge und berechnet die Steuer auf Grundlage der rabattierten Werte.

Ein fester Warenkorb-Rabatt muss dabei auf die betroffenen Positionen verteilt werden.

Wie Gutscheine funktionieren, erklären wir im Artikel Gutscheine und Rabattcodes in WooCommerce erstellen.

Steuern bei Rückerstattungen #

Bei einer Rückerstattung kann WooCommerce neben dem Produktbetrag auch die dazugehörenden Steuerbeträge berücksichtigen.

Welche Beträge tatsächlich zurückerstattet werden sollen, solltest du vor dem Auslösen des Vorgangs kontrollieren.

Mehr dazu findest du im Artikel Bestellung stornieren und Rückerstattung durchführen.

Automatische Steuerberechnung ist nicht WooCommerce Core #

WooCommerce Core bietet dir Tabellen, in denen du deine Steuerregeln selbst eintragen kannst.

Wenn du möchtest, dass Steuersätze automatisch anhand externer Steuerdaten ermittelt werden, benötigst du dafür eine entsprechende Erweiterung oder einen externen Dienst.

WooCommerce bietet beispielsweise eigene beziehungsweise integrierbare Steuerlösungen an. Auch andere Anbieter stellen entsprechende Erweiterungen bereit.

Wichtig: Eine automatische Steuer-Erweiterung kann Berechnungen vereinfachen. Sie entscheidet aber ebenfalls nicht automatisch über sämtliche steuerlichen Pflichten deines Unternehmens.

WooCommerce reicht keine Steuererklärung für dich ein #

Die normalen WooCommerce-Steuereinstellungen berechnen Steuern für Bestellungen.

Sie erledigen aber nicht automatisch Aufgaben wie:

  • steuerliche Registrierung deines Unternehmens
  • Prüfung deiner Steuerpflicht
  • Einreichung einer Mehrwertsteuerabrechnung
  • Überweisung geschuldeter Steuern an Behörden
  • rechtliche Beurteilung einzelner Produkte

Das sind Aufgaben ausserhalb der normalen Shop-Berechnung.

Beispiel: Einfache technische Steuerregel für ein Land #

Nehmen wir rein technisch an, dein Steuerberater hat dir bestätigt, dass für eine bestimmte Produktgruppe in einem Land ein Satz von 8.1 Prozent anzuwenden ist.

Dann könnte eine einfache WooCommerce-Regel beispielsweise so aussehen:

Land:
CH

Steuersatz:
8.1

Name:
MWST

Versand:
je nach benötigter Konfiguration

WooCommerce kann diese Regel anschliessend anwenden, wenn die für deine Steuerberechnung relevante Kundenadresse dazu passt.

Die Entscheidung, dass diese Regel verwendet werden darf oder muss, kommt aber nicht von WooCommerce.

Beispiel: Ein Land ohne hinterlegten Steuersatz #

Wenn für eine Kundenadresse keine passende Steuerregel vorhanden ist, kann WooCommerce auch keine entsprechende Steuer aus deiner manuellen Steuertabelle berechnen.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass dieser Verkauf steuerfrei sein darf.

Sehr wichtig: „WooCommerce berechnet keine Steuer“ und „rechtlich ist keine Steuer geschuldet“ sind zwei völlig unterschiedliche Aussagen.

Wenn bei einem Land unerwartet keine Steuer angezeigt wird, solltest du zuerst deine WooCommerce-Regeln prüfen und danach klären, welche steuerliche Behandlung tatsächlich erforderlich ist.

Häufige Ursache: Falsche Steuerklasse am Produkt #

Wenn bei einem einzelnen Produkt keine oder eine falsche Steuer berechnet wird, während andere Produkte korrekt funktionieren, solltest du die Steuerklasse dieses Produkts prüfen.

Kontrolliere:

Produkt bearbeiten
→ Produktdaten
→ Steuerstatus
→ Steuerklasse

Ein Produkt mit einer anderen Steuerklasse verwendet möglicherweise eine andere Steuertabelle als erwartet.

Häufige Ursache: Kundenadresse passt nicht zur Steuerregel #

Wenn WooCommerce Steuern anhand der Liefer- oder Rechnungsadresse berechnet, muss die eingegebene Kundenadresse auch zu einer vorhandenen Steuerregel passen.

Prüfe deshalb bei Problemen:

  • Land
  • Region
  • Postleitzahl
  • Ort
  • Berechnungsbasis in den Steueroptionen

Eine zu eng definierte Steuerregel kann dazu führen, dass WooCommerce keine Übereinstimmung findet.

Häufige Ursache: Steueranzeige und Steuerberechnung werden verwechselt #

Ein weiterer häufiger Denkfehler besteht darin, die Berechnung und die Darstellung gleichzusetzen.

Du kannst beispielsweise Preise:

inklusive Steuer eingeben

und trotzdem:

exklusive Steuer anzeigen

oder umgekehrt.

Kontrolliere bei einem scheinbar falschen Preis deshalb sowohl die Eingabeeinstellung als auch die Anzeigeeinstellungen.

Steuereinstellungen nach Änderungen testen #

Steuern gehören zu den Bereichen, die du niemals nur anhand der Backend-Einstellungen beurteilen solltest.

Führe nach Änderungen Testbestellungen durch.

Teste dabei die Situationen, die für deinen Shop tatsächlich relevant sind.

Beispielsweise:

  • ein normales steuerpflichtiges Produkt
  • unterschiedliche Steuerklassen, wenn du diese verwendest
  • relevante Länder beziehungsweise Regionen
  • Rechnungs- und Lieferadresse
  • Gutschein
  • Versandkosten
  • Warenkorb und Checkout

Kontrolliere dabei nicht nur den Endbetrag, sondern auch die Zwischensumme, den Rabatt, die Steuer und den Versand.

Eine vollständige Prüfung des Shops behandeln wir im Artikel WooCommerce-Shop vor dem Start testen: Testbestellung und Checkliste.

Wenn die Steuerberechnung nicht stimmt #

Wenn WooCommerce einen unerwarteten Betrag berechnet, solltest du nicht sofort einen anderen Steuersatz eintragen, bis das Ergebnis ungefähr passt.

Prüfe systematisch:

  • Sind Steuern überhaupt aktiviert?
  • Werden Preise inklusive oder exklusive Steuer eingegeben?
  • Welche Adresse wird für die Berechnung verwendet?
  • Stimmt die Shop-Basisadresse?
  • Welche Steuerklasse besitzt das Produkt?
  • Existiert für die Kundenadresse eine passende Steuerregel?
  • Ist der korrekte Steuersatz in dieser Regel eingetragen?
  • Wie werden Preise im Shop und Checkout angezeigt?
  • Gibt es zusätzliche Steuer-Plugins?

Wenn die Konfiguration technisch korrekt aussieht, der Betrag aber weiterhin nicht deinen steuerlichen Vorgaben entspricht, solltest du zuerst prüfen, ob die zugrunde liegende Steuerregel richtig definiert wurde.

Bei technischen WooCommerce-Problemen hilft später auch der Artikel WooCommerce-Probleme systematisch finden: Status, Logs und Fehlerdiagnose.

Welche Steuersätze soll ich eintragen? #

Diese Frage kann eine WooCommerce-Anleitung nicht pauschal beantworten.

Der korrekte Steuersatz kann unter anderem abhängen von:

  • Sitz deines Unternehmens
  • Art des Produkts oder der Dienstleistung
  • Standort des Kunden
  • Art des Kunden
  • Umsatz und Registrierungspflichten
  • nationalen und internationalen Steuervorschriften

WooCommerce kann diese Regeln technisch abbilden, wenn du sie kennst.

Es ersetzt aber keine steuerliche Beurteilung deines Geschäfts.

Bei Unsicherheit: Lass dir von deiner Treuhandstelle oder einer Steuerfachperson sagen, welche Steuerregeln du für deinen konkreten Shop benötigst. Anschliessend kannst du diese Regeln in WooCommerce technisch umsetzen.

Wie geht es weiter? #

Neben Steuern gehört der Versand zu den zentralen Berechnungen im Checkout. WooCommerce entscheidet anhand von Versandzonen, welche Versandmethoden und Kosten einem Kunden angeboten werden.

Im nächsten Artikel erklären wir deshalb Versandzonen, Versandarten und Versandkosten einrichten.

Zusammenfassung #

WooCommerce kann Steuern und Mehrwertsteuer anhand der von dir hinterlegten Regeln berechnen. Dazu musst du die Steuerfunktion zuerst unter WooCommerce → Einstellungen → Allgemein aktivieren.

Unter WooCommerce → Einstellungen → Steuer bestimmst du anschliessend unter anderem, ob Produktpreise inklusive oder exklusive Steuer eingegeben werden, welche Kundenadresse für die Berechnung verwendet wird und wie Steuern im Shop und Checkout dargestellt werden.

Über Steuerklassen und Steuersätze kannst du unterschiedliche Regeln für Produkte, Länder und Regionen hinterlegen.

WooCommerce entscheidet jedoch nicht, welche Steuern du rechtlich erheben musst. Auch eine fehlende Steuerberechnung in WooCommerce bedeutet nicht automatisch, dass ein Verkauf steuerfrei ist.

Klär deshalb zuerst die steuerlichen Regeln für dein Unternehmen und verwende WooCommerce anschliessend zur technischen Umsetzung dieser Vorgaben.

Letzte Aktualisierung August 31, 2026
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